Column

Sunday Mood

22. Oktober 2017

Heute vor einer Woche saß ich wie jetzt auf meinem Bett, sehr gespannt und aufgeregt was die nächsten Tage bringen werden. Ich hatte für mich eine kleine Auszeit geplant, in einer Metropole die bei meinem letzten Besuch mein Herz im Sturm erobert hat: London.

Ich wollte ein kleines Abenteuer, mich vor eine Herausforderung stellen. Wie gut komme ich alleine in so einer großen Stadt zurecht? Wie komme ich allgemein damit zurecht alleine zu sein?
Es war also ein Selbstversuch mich an die Grenzen meiner Komfortzone zu bringen und diese neu zu definieren.
Mein Plan wurde durch eine harte Grippe erschwert aber ich habe das beste daraus gemacht. Und so machte ich mich Montag morgens, zugedröhnt mit Schmerzmittel und einer Packung Taschentücher auf den Weg zum Flughafen. Alleine. Keiner der mich zur Straßenbahn bringt, meinen Koffer für mich zieht oder mir die Autotür am Flughafen aufhält und mit einem Taschentuch mir hinterher winkt wenn ich in den Flieger steige.

Meine Herausforderungen: Eine andere Sprache, fremde Menschen und alleine sein.

Dann fangen wir doch damit an, was mir am einfachsten gefallen ist: Englisch sprechen.
Ich dachte das wird für mich ein größeres Problem wie es in Wirklichkeit war. Natürlich gibt es Wörter die man nicht weiß, von den richtigen Zeiten und der Grammatik einmal abzusehen, hatte ich aber überhaupt keine Probleme mich zu verständigen oder auszudrücken. Ich war überrascht von mir, wie leicht mir die Sprache über die Lippen glitt. Außerdem merkt man natürlich auch je länger man in dem Land ist desto einfacher wird es.
Wenn ich jetzt aber wieder ehrlich zu mir selbst sein muss, war das auch das einzige was mir in den Tagen ein wirklich gutes Gefühl gegeben hat. Aber besser eins wie keins, wa?

„Um die Einsamkeit ist’s eine schöne Sache, wenn man mit sich selbst in Frieden lebt und was Bestimmtes zu tun hat.“
– Goethe

Viele die mich besser kennen wissen: Ich hasse Menschen.
Diese drei Wörter stecken voller Zynismus aber bevor ich jemanden nicht besser kenne, wäre es mir am liebsten er würde einfach aufhören zu atmen. Deswegen schlafe ich in einem Zimmer mit 7 anderen Frauen und täglichen neuen Gesichtern. Mein Ziel: offen zu sein für neue Menschen, neue Kontakte zu knüpfen und einfach eine Zeit mit coolen Leuten verbringen die man gerade zufällig beim Zähneputzen auf dem Gang trifft.
Realität: Pustekuchen. 

Ich dachte ich bin super Lebenslustig, offen und quatsche einfach mal fremde Leute an. Hey na, alles klar bei dir?  Wo kommst du her? bla bla bla..
Doch im Endeffekt habe ich mein Selbstbewusstsein wahrscheinlich auf dem Weg zum Rollfeld verloren. Es ist mir sehr schwer gefallen auf fremde Menschen zu zugehen, mich in zwanglose Gespräche verwickeln zu lassen oder mich mit wildfremden anderen deutschen auf ein Cocktail in der Stadt zu treffen. Doch auch das habe ich in den 4 Tagen irgendwie geschafft. Ich bin über mein eigenen Schatten gesprungen und darauf auch sehr stolz aber habe trotzdem versucht Menschen zu meiden.

Da kommen wir dann auch direkt zum nächsten Punkt: Das alleine sein.
Ich habe euch ja in meinem letzten Beitrag erzählt, das ich mich von meinem Freund getrennt habe, weil ich denke das es für mich an der Zeit ist alleine zu sein.
Doch ist es natürlich nicht leicht alleine zu sein. Es ist sogar sehr schwer Dinge alleine zu erleben wenn man die letzten 5 Jahre immer einen Partner an seiner Seite hatte mit dem man alles geteilt hat. Ich habe also viele Dinge das erste Mal alleine gemacht:

1.Alleine essen gehen
Egal ob das Frühstück oder das Abendessen, alleine in einem Café oder Restaurant aufzutauchen und auf die Frage: Nur für eine Person? mit Ja zu antworten ist ganz schön komisch. Ich hatte sogar ein bisschen Angst davor. Doch ich muss sagen, ich fand es alles in allem nicht schlimm.
Morgens seine Ruhe zu haben ist doch auch mal von Vorteil, vor allem wenn man seinen Tag planen möchte.
Zum Abendessen habe ich mir bewusst Lokale ausgesucht in dem viele Leute sind und es eher Gruppentische gibt. Man kann sich also zu Menschen dazu setzten, die Chance jemand kennen zu lernen ist größer und man fühlt sich vor allem nicht alleine.

2.Happy Birthday to me!
Der Hauptgrund warum ich nach London geflogen bin war eigentlich, dass ich an meinem Geburtstag nicht zuhause sein wollte. Wieso? Ich wollte weglaufen vor der Angst an dem Tag alleine da zu sitzen, zu heulen und mich selbst zu bemitleiden. Es hat mich dafür um so glücklicher gemacht, das die Menschen die mir viel bedeuten an mich gedacht haben. Mich haben so viele schöne Worte erreicht für die ich unglaublich dankbar bin.
Ob ich nochmal alleine an meinem Geburtstag sein will? Ich glaube erstmal nicht..
Meine Party habe ich gestern Abend nachgeholt. Es war komisch, anders und traurig für mich.
Aber so ist das eben mit neuen Lebensabschnitten, sie sind nicht von Anfang an perfekt.

London hat mich aber trotzdem sehr inspiriert. Ich habe die Zeit genossen und trotz der Grippe viel unternommen und Kultur erlebt. Bis zum nächsten Mal!

Ich hatte heute also einen kleinen Mental Breakdown. Was da Hilft? Ein Arschtritt von der Freundin und mein Herz hier ausschütten. Achja und Schichtnougat von Lindt..

 

Foto: Björn Vilcens

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